Kneipp Tipp

Ein Arm Bad bringt den Körper in Schwung:

Ein Arm Bad, das den Körper wieder in Schwung bringt ist keine Hexerei. Einfach das Waschbecken mit etwa 20 Gradwarmen Wasser auffüllen und die Arme bis zur Mitte des Oberarmes das Wasser eintauchen. Im kühlen Nass solle man mit dem Armen zwischen 10 und 30 Sekunden verweilen und leichte Bewegungen durchführen. Während der Anwendung ist es wichtig gut auszuatmen und lautmitzuzählen. Anschließend streicht man das Wasser ab und pendelt im Gehen die Armekräftig hin und her, um diese wieder zu erwärmen. Das kalte Arm Bad wirkt reflektorisch auf eine bessere Durchblutung der Lunge und des Herzens. Es wirkt erfrischend, belebend, regulierend, fördert Kreislauf und Herztätigkeit und verbessert die  Atmung.  

 Gesundheit geht durch den Magen!

 „Genuss ohne Reue“ – das ist die Leitlinie der gesunden Ernährung nach Kneipp. Die von ihm gelobte "einfache, nahrhafte Kost" steht im Einklang mit den heutigen Erkenntnissen der modernen Ernährungslehre. Empfehlenswert ist eine vollwertige Mischkost mit viel Obst, Gemüse, Getreide- und Milchprodukten nach dem Motto "Mehr von der Pflanze, weniger vom Tier".

 Für Kneipp hatte „Ernährung“ zwei grundverschiedene Aspekte: auf der einen Seite sah er die arme Bevölkerung, die Mühe hatte, für die Familie genug nahrhaftes Essen auf den Tisch zu bringen. Auf der anderen Seite erkannte er aber schon die Gefahren einer überreichlichen Ernährung an den Wohlstandskrankheiten der Adeligen. Die Kraft des vollen Korns war für Kneipp eine klare Sache, er warnte vor Weißmehl und zu viel Zucker, stellte den übermäßigen Alkoholgenuss an den Pranger und empfahl so viel Obst und Gemüse wie möglich frisch zu essen. Kneipp war jedoch kein Vegetarier, sondern trat für eine gute Mischkost ein.

 „Wenn du merkst, du hast gegessen, hast du schon zuviel gegessen.“ so Sebastian Kneipp

Seine berühmten Wasser- und Kräuterkuren sind so aktuell wie damals. Sehr viele Menschen identifizieren sich mit den Heillehren von Pfarrer Sebastian Kneipp (1821-1897) und wenden sie für sich und andere erfolgreich an.

 Wer war nun dieser Kneipp?

 Obwohl als „Wasser- und Kräuterdoktor“ bekannt, war er kein Mediziner, sondern Pfarrer. Nach seiner Heilung von der Tuberkulose begann er, sich intensiv mit der gesundheitsfördernden Kraft des Wassers und der heilenden Wirkung von Kräutern zu beschäftigen. So behandelte er 1853 mit dem Wissen seiner Studien eine an Cholera erkrankten Frau mit heißen Wickeln. Mit der Folge, dass er wegen „Kurpfuscherei“ zu einer Geldstrafe von zwei Gulden bestraft wurde. Und auf Grund einer Anzeige eines Apothekers musste Kneipp eine Unterlassungserklärung unterschreiben, künftig nicht mehr zu helfen. Als jedoch eine Choleraepidemie in seiner Umgebung ausbrach, handelte Kneipp gegen diese Erklärung und rettete 42 Personen. In der Bevölkerung nannte man ihn daraufhin den „Cholera-Kaplan“.

 1855 siedelte er nach Wörishofen und wurde Hausgeistlicher der dortigen Dominikanerinnen. Mit der Folge, dass auf Grund des immer größer werdenden Bekanntheitsgrades des Wasser-Doktors auch immer mehr Hilfesuchende nach Wörishofen kamen. Damals ahnte wohl niemand, dass der kleine Ort, 80 Kilometer westlich von München gelegen, später einmal der Inbegriff einer weltweiten Gesundheitsbewegung werden würde, untrennbar verbunden mit dem Namen Sebastian Kneipp.

 Zunächst mussten neue Gasthäuser, später dann Badeanstalten errichtet werden. Unterstützt wurde Kneipp, der täglich öffentliche Vorträge hielt, ab 1883 von dem Mediziner Dr. Bernhuber. Und mit dem neuen Wörishofener Bürgermeister Augustin Huber wurde ab 1890 der Kurbetrieb organisiert und 1891 das Kurhaus Sebastianeum eröffnet, das sich mehr und mehr zum Mittelpunkt des Kurbetriebes entwickelte und in dem Kneipp fortan seine Sprechstunden abhielt. Als erster „bleibender Badearzt“ wurde 1892 Dr. Alfred Baumgartner eingestellt. 1893 übergibt Kneipp das Sebastianeum den Barmherzigen Brüdern.

 Kneipp verstarb am 17. Juni 1897 im Alter von 76 Jahren. Er hat ein ganzheitliches und zeitloses Naturheilverfahren hinterlassen, das wissenschaftlich anerkannt ist und angewendet wird. Die in seiner Lehre vorkommenden fünf Säulen Wasser - Heilpflanzen - Bewegung - Ernährung - Lebensordnung bilden eine Einheit sowie die Grundlage für einen gesundheitsbewussten Lebensstil und für ein ganzheitliches Naturheilverfahren.

Das Wirken von Kneipp lebt auch weiter.

 Von Rolf  Bickelhaupt